SOZIAL-OSCAR im Kreis Gütersloh − Auszeichnung für die Franz Wiltmann GmbH & Co. KG

Die Franz Wiltmann GmbH & Co. KG aus Versmold hat den Sozial-Oscar 2016 verliehen bekommen. Der Sozial-Oscar ist eine mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung. Sie wird gemeinsam vom Kreis Gütersloh und der Gütersloher Stiftung für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen ausgeschrieben. Dieser Preis wird an Unternehmen im Kreis Gütersloh vergeben, die sich durch besonders engagierte, vorbildliche und nachhaltige berufliche Integration von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen oder geistiger Behinderung auszeichnen.

10. Sozial-Oscar für modellhaftes Engagement

Wiltmann erhält den Sozial-Oscar aufgrund seines modellhaften Engagements: Der Wurst- und Schinkenhersteller aus Versmold-Peckeloh erfüllt nicht nur die Schwerbehindertenquote und beschäftigt mehrere psychisch kranke und geistig behinderte Menschen im rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählenden Betrieb. Es gibt in Peckeloh auch einen hauptberuflichen sozialen Ansprechpartner. Er kümmert sich insbesondere um Kolleginnen und Kollegen in Fällen von Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie bei Spielsucht.

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Pressetermin vor der Preisverleihung bei der Firma Wiltmann (v.l.): André Behrmann und Dr. Ingmar Ingold (Geschäftsführung Wiltmann), Horst Wilke (Sozialer Dienst Wiltmann), Schirmherrin Karin Miele, Dr. Ulrich Kemper (Gütersloher Stiftung für psychisch Kranke und geistig Behinderte) Jürgen Aschentrup (Leiter Verwaltung Wiltmann), Heinrich Ostlinning (Personalleiter Wiltmann) und Judith Schmitz (Leiterin Abteilung Soziales Kreis Gütersloh).

Zudem haben bereits mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens am Programm ‚BETSI‘ teilgenommen, das in Kooperation mit der Münsterland Klinik in Bad Rothenfelde angeboten wird. ‚BETSI‘ steht für ‚Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern‘ und ist eine präventive Maßnahme zum Erhalt der Arbeitskraft. Diese und viele weitere kleine Bausteine gaben für die Jury des Sozial-Oscars den Ausschlag.

Erstmalig konnten in 2016 auch Unternehmen nominiert werden, die sich in besonderer Weise für die Prävention psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz einsetzen, wie z.B. durch die Etablierung eines speziellen Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

In einem Vergabeintervall von zwei Jahren wird der Sozial-Oscar seit 1999 im Kreis Gütersloh verliehen. So konnten im Jahr 2014 die Firma Paul Craemer GmbH aus Herzebrock-Clarholz, im Jahr 2012 die Firma Gerry Weber International AG aus Halle und im Jahr 2010 die Firma Großewinkelmann GmbH &Co.KG aus Rietberg als Preisträger ausgezeichnet werden.

Die Preisträger zeigen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der gelebten Praxis, dass in Zeiten immer härteren globalen Wettbewerbs sowohl theoretische Konzepte und die Alltagspraxis in Einklang zu bringen sind.

Der „Sozial-Oscar“ erreicht die gesetzten Ziele

  • Die breite Berichterstattung in Zeitung, Rundfunk und Fernsehen macht deutlich, dass die „Sozial-Oscar“-Idee im Kreis Gütersloh angekommen ist, nämlich denjenigen Unternehmer zu finden und auszuzeichnen, der sich besonders für die Integration psychisch kranker und geistig behinderter Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Arbeitsmarkt engagiert hat.
  • Einige Unternehmen nahmen die Ausschreibung zum Anlass, sich über mögliche Beeinträchtigungen bei psychisch erkrankten Menschen zu informieren − mit dem Ziel, gesundheitsfördernde Maßnahmen im Unternehmen zu verbessern bzw. zu initiieren.
  • Die Anfragen zum „Sozial-Oscar“ aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik und einiger Stiftungen (z.B. der Bertelsmann-Stiftung) belegen, dass diese Idee über die Grenzen des Kreises Gütersloh hinaus als vorbildlich und nachahmenswert wahrgenommen wird.
  • Die bisherigen Preisträger haben den mit 5.000 Euro dotierten Preis stets für weitere sozial-integrative Maßnahmen eingesetzt, wie z.B. in die Förderarbeit des integrativen Kindergartens oder die Bereitstellung eines Ausbildungsplatzes für einen psychisch beeinträchtigten jungen Menschen.
  • Gemäß der Zielsetzung trägt insbesondere die Begehung der nominierten Bewerberfirmen dazu bei, die Vielfalt des Engagements zur beruflichen Eingliederung aufzudecken. Sie hilft aber auch, konkrete Unterstützungsbedarfe
  • der Unternehmen zur Verbesserung der Eingliederungssituation zu erkennen, hier sei beispielsweise auf das Anliegen nach einer langfristig ansprechbaren Kontaktperson aus dem Hilfesystem hingewiesen.
  • Im Rahmen der Ausschreibung gelang es, Institutionen des Kreises Gütersloh wie den Unternehmerverband und die Kammern in die aktive Öffentlichkeitsarbeit und Bekanntmachung der Preisvergabe einzubinden. Die Fortführung dieses Ansatzes trägt dazu bei, die soziale Verantwortung für behinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf eine breitere Basis zu stellen.
  • Teilhabe am Erwerbsleben gehört zu den übergeordneten Zielen psychiatrischer Behandlung und Rehabilitation. Ziel der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben ist die Erwerbstätigkeit behinderter und von Behinderung bedrohter Menschen zu erhalten, zu verbessern, herzustellen oder wiederherzustellen und ihre Teilhabe am Arbeitsleben möglichst auf Dauer zu sichern (§ 33 Abs. 1 SGB IX). Das Sozialgesetzbuch IX enthält allgemeine Regelungen über die Eingliederung schwer behinderter Menschen im Arbeitsleben. Wie diese Rechte und Pflichten umzusetzen sind, welche Maßnahmen im Einzelfall hilfreich sein können, wird jedoch kaum erläutert. Der „Sozial-Oscar“ kann weiterhin im Sinne von „best practices“ Maßnahmen der unterschiedlichen Unternehmen transparent machen und praxistaugliche Ideen zur Nachahmung empfehlen.


Der „Sozial-Oscar“ hat sich bewährt; die Preisträger bewiesen bisher, dass Integration planbar und erfolgreich wird, wenn man sich darum kümmert und sie als Ziel verfolgt.

 

Weitere Informationen:

Dr. Ulrich Kemper
Gütersloher Stiftung für psychisch kranke und geistig Behinderte
eMail: ulrich.kemper@lwl.org

Judith Schmitz
Kreis Gütersloh Abteilung Soziales
eMail: judith.schmitz@gt-net.de

 

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