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Seit September 2015 am Start: Der Integration Point Herford

Nicht lange Wege und aufwendige Absprachen, sondern möglichst unkomplizierte, koordinierte und schnelle Unterstützung von Seiten aller beteiligten Institutionen war das Konzept der Integration Points in NRW. Diese Strategie der Arbeitsmarktintegration zielt darauf ab, geflüchteten Menschen bereits zu einem frühen Zeitpunkt ihres Aufenthalts, möglichst noch während des Asylverfahrens, in beschäftigungsfördernde Maßnahmen einzubeziehen. Ziel war es, alle für die Arbeit mit geflüchteten Menschen relevanten Akteure und deren Ressourcen und Dienstleistungen rechtskreisübergreifend so zu bündeln und zu vernetzen, dass friktionsfrei eine möglichst nachhaltige Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erreicht wird. Am 15. September 2015 ging der Integration Point Herford als einer der ersten bundesweit an den Start.

Was ist seitdem passiert?

Kooperationspartner der ersten Stunde sind die Agentur für Arbeit, das Jobcenter und der Kreis Herford. Arbeitsagentur und Jobcenter arbeiten im Gebäude der Arbeitsagentur Herford unter einem Dach zusammen. Der Kreis unterstützt den Integration Point virtuell aus den Bereichen Ausländerbehörde, Schulverwaltungsamt, Jugendamt und Kommunales Integrationszentrum sowie durch seine Koordinierungsfunktion im Rahmen des Netzwerkes für Integration und Vielfalt im Kreis Herford (widunetz) und gegenüber den kreisangehörigen Städten und Gemeinden. Im Sinne des Netzwerkgedankens sind weitere lokale Akteure wie die Ausländerbehörde der Stadt Herford, die Jugendämter der Städte Bünde, Herford und Löhne, die Migrationsdienste, die Sprachkurs- und beruflichen Qualifizierungsträger, die Berufskollegs, die (Fach-)Hochschulen, das Netzwerk IQ, die Bleiberechtsnetzwerke bzw. Flüchtlingsorganisationen, der Arbeitgeberverband, die Kammern, die Wohlfahrtsverbände und die regionalen Ansprechpartner des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in die Kooperation einbezogen.

Die Dienstleistungen des IP werden auch mobil und lokal in allen weiteren acht Kommunen im Kreis Herford angeboten.

Andreas FeuchertHF

Andreas Feuchert, Teamleiter Integration Point Herford

Regelmäßig und auch anlassbezogen finden strategische Abstimmungsgespräche des Steuerungskreises (Geschäftsführungs- bzw. Dezernatsebene von Arbeitsagentur, Jobcenter und Kreis), operative Abstimmungsgespräche der für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständigen Team- und Bereichsleitungen von Arbeitsagentur und Jobcenter und Dienstbesprechungen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Integration Points statt.

Die Zielgruppe

Für Personen mit einer Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchende (BÜMA) oder einer Aufenthaltsgestattung oder einer Duldung nach § 60a Aufenthaltsgesetz, wenn ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist („hohe Bleibewahrscheinlichkeit“) und für absehbare Zeit ein grundsätzlicher Arbeits- und Ausbildungsmarktzugang besteht, ist die Inanspruchnahme der Dienstleistungen des Integration Points freiwillig. Dieser Personenkreis ist dem Rechtskreis SGB III zugeordnet.

Für Personen mit positiver Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) über den Asylantrag (Asylberechtigte, anerkannte Flüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigte) bzw. der Ausländerbehörde über einen Aufenthaltstitel als Kontingentflüchtling oder im Rahmen eines humanitären Aufenthalts ist die Inanspruchnahme verpflichtend. Dieser Personenkreis ist dem Rechtskreis SGB II zugeordnet.

Durch die rechtskreisübergreifende Arbeitsmarktstrategie des Herforder Integration Points tritt in der Betreuung kein Bruch ein, wenn durch die Anerkennung als Schutzsuchende ein Rechtskreiswechsel erfolgt. Das ist die Besonderheit in Herford, die zwar im technisch-organisatorischen Bereich nicht immer leicht umzusetzen ist, im Sinne einer friktionsfreien Integrationsarbeit aber deutliche Vorteile bringt.

Der Zugang

Während Ende 2015/Anfang 2016 noch viel aufsuchende Arbeit geleistet werden musste, ist der Integration Point Herford heute bei allen in der Arbeit mit geflüchteten Menschen befassten Akteurinnen und Akteuren bekannt. Die Menschen kommen jetzt initiativ.

Ende Dezember 2016 betreute der Integration Point im Kreis Herford rund 1.100 Personen, darunter 850 Männer und 250 Frauen. Rund 41 Prozent bezogen Arbeitslosengeld II.

Die Arbeit im Integration Point

Mira Steveker, Arbeitsvermittlerin Integration Point Herford

Das Angebot des Integration Points richtet sich an erwerbsfähige geflüchtete Menschen mit guter Bleibeperspektive. Bereits während des Asylverfahrens vermitteln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sprachfördermaßnahmen, unterbreiten allgemeine Unterstützungsangebote, leiten Anerkennungsverfahren und/oder Kompetenzfeststellungsmaßnahmen ein und bieten Aktivierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen an.

Zwei aktuelle Konzepte, die dabei helfen sollen, die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt zu beschleunigen sind z.B. die Maßnahmen „Kommit“ und „Step by Step“. Hier sollen Spracherwerb, berufliche Orientierung und Weiterbildung, erste praktische Erfahrungen im Betrieb sowie die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bzw. einer dualen Ausbildung zeitlich miteinander verbunden werden. Angestrebtes Ziel ist auch hier die qualifikationsadäquate Integration in Ausbildung oder Erwerbstätigkeit.

Über die Arbeit mit den geflüchteten Menschen hinaus stellt der Integration Point Arbeitgebern, Kommunen, Trägern und weiteren Beteiligten im Kreis Herford Informationen über die gesamten Integrationsprozesse zur Verfügung.

Der Integration Point wirkt darauf hin, dass die beteiligten Akteure und Netzwerkpartner sich über personelle und strukturelle Veränderungen (z.B. Ansprechpersonen und deren aktuelle Kontaktdaten) sowie über relevante Änderungen hinsichtlich der Zielgruppe (z.B. gesetzliche Änderungen, Änderungen in den Verfahrensabläufen) gegebenenfalls auch in Form entsprechender Schulungsangebote informieren.

Die Zusammenarbeit mit den Regelorganisationen

Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit stellt eine zielgruppenadäquate Beratung sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene sicher. Der Berufspsychologische Service der Agentur für Arbeit hat in Kooperation mit dem Integration Point seine Verfahren hinsichtlich der Zielgruppe entwickelt und angepasst.

In der Sprachförderung kooperieren das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Sprachkursträger, Integration Point und Fallmanagement Arbeit und Sprache des Jobcenters eng miteinander, um vorhandene Kapazitäten adäquat nutzen und ergänzende Angebote wie z.B. Qualifizierungsmaßnahmen mit integrierter Deutschförderung entwickeln zu können.

Die Verbleibsdauer

Marco LangenHF

Marco Langen, Arbeitsvermittler Integration Point Herford

Die geflüchteten Menschen werden solange im Integration Point betreut, solange für sie dadurch noch ein Mehrwert erreicht werden kann, d.h. bis die besonderen, im Kontext des Status als Flüchtlinge bestehenden, Handlungsbedarfe „erledigt“ sind. (Im Integration Point können diese spezifischen Bedarfslagen gebündelt und in entsprechende Bedarfe umgesetzt werden.) Aus Kapazitätsgründen haben die Kooperationspartner jedoch einen abgestimmten Kriterienkatalog entwickelt, wann der Wechsel vom Integration Point in das Regelsystem zu vollziehen ist.

Die Übergabe an die Regelorganisation erfolgt durch gut dokumentierte Bewerberdatensätze. In Einzelfällen erfolgt die Übergabe telefonisch oder persönlich zwischen den beteiligten Integrationsfachkräften, ggf. auch in Anwesenheit der Kundinnen und Kunden. In Absprache mit ihnen werden ggf. involvierte Dritte über den Rechtskreiswechsel und/oder die Übergabe an die Regelorganisation und die nun zuständige Integrationsfachkraft in Kenntnis gesetzt.

Wie finden Arbeitgeber und geflüchtete Menschen zusammen?

Erster Ansprechpartner für Arbeitgeber ist der gemeinsame Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und des Jobcenters. Der Arbeitgeberservice vermittelt auf Wunsch anerkannte Schutzberechtigte, Asylbewerberinnen und Asylbewerber oder Geduldete auf offene Arbeits- und Ausbildungsstellen, berät zu Aufenthaltsstatus und Arbeitsmarktzugang und zu gesetzlichen Rahmenbedingungen. Seit der Einrichtung des Integration Points findet auch ein regelmäßiger Austausch zwischen ihm und dem Arbeitgeberservice statt.

Darüber hinaus wird es zukünftig wichtiger werden, weitere passende Formate zu finden, in denen Arbeitgeber und geflüchtete Menschen sich begegnen können.

Im Januar 2017 startet der Arbeitgeberservice Herford den ersten „Meeting Point“, eine Kontaktbörse für Unternehmen und Geflüchtete. Hier sollen sich Arbeitgeber und Geflüchtete kennenlernen und austauschen können. Arbeitgeber können ihr Unternehmen, ihre Stellenangebote und Anforderungen bekannt machen. Geflüchtete Menschen sollen die Chance haben, Arbeitgeber in einem ersten Schritt von ihrer Motivation und von ihren Fähigkeiten zu überzeugen.

Auf die ersten Ergebnisse sind alle Beteiligten gespannt.

Der Beitrag wurde erstellt von Ursula Obereiner, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt und Pressesprecherin Jobcenter Herford.

 

Logo IPHFWeitere Informationen:

Andreas Feuchtert

Teamleiter Integration Point Herford

eMail: andreas.feuchtert@jobcenter-ge.de

 

 

 

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