Nachwuchsförderung für die Baubranche: „Azubis gewinnen — Zuwanderung nutzen“

Kleine und mittelständische Unternehmen aus der Baubranche klagen oft über unbesetzte Lehrstellen. Gleichzeitig haben viele junge Menschen mit Migrationshintergrund Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden. Dazu zählen sowohl in Deutschland aufgewachsene als auch neu zugewanderte junge Menschen.

Aufgrund dieser Ausgangslage hat die IfB OWL gemeinsam mit den Projektpartnern Verein BAJ e. V., dem HBZ Brackwede Fachbereich Bau e. V. und Creos Lernideen und Beratung GmbH das Projekt „Azubis gewinnen — Zuwanderung nutzen“– kurz: „AgZn“ zum 01. Mai 2017 gestartet.

Das Projekt „AgZn“ bringt Jugendliche und kleine Betriebe zusammen

„AgZn“ richtet sich an Kleinstbetriebe der Baubranche und bringt diese mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund zusammen. Gemeinsam entwickeln die Projektpartner mit den Ausbildungsbetrieben individuell zugeschnittene Konzepte für die Ansprache und Einstellung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Das Team von „AgZn“ unterstützt Jugendliche bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz. Das Team begleitet teilnehmende Betriebe und Jugendliche ein Jahr lang bei der gemeinsamen Arbeit. Insgesamt sollen in den zwei Projektjahren 40 sogenannte Tandems begleitet werden, um so herauszufinden, welche Unterstützungsangebote gerade kleine Betriebe benötigen, um zukünftig selbständig Lehrstellen nach ihrem Bedarf besetzen zu können.

Im Detail bietet „AgZn“ folgende Unterstützungsmöglichkeiten für kleine Betriebe der Baubranche:

  • Suche nach passenden Bewerbern inkl. Kompetenzfeststellung
  • Unterstützung bei formalen Vorgängen rund um die Einstellung
  • Begleitung und Betreuung im ersten Lehrjahr — für Betriebe und Azubis
  • Umfassende Informationen zur Förderung und Einstellung von Menschen mit Migrationshintergrund
  • Unterstützung bei der individuellen Förderung von bereits eingestellten Azubis

Die ersten Projekterfahrungen

In den letzten sieben Projektmonaten konnten bereits knapp 20 Ausbildungstandems gebildet werden. Bei der Begleitung entstehen vielfältige Aufgaben für das Team von „AgZn“. Von Unterstützung bei der Beantragung von ausbildungsbegleitende Hilfen bis hin zur Anerkennung von bereits im Ausland erworbenen Abschlüssen ist alles dabei.

Um allen Parteien einen transparenten Überblick der Integration und der Weiterentwicklung im Ausbildungsbetrieb zu schaffen, wird das Instrument der individuellen Förderpläne genutzt. Hierbei werden neben jeweiligen Ausbildungsbetrieben und dem jeweiligem Azubi auch die Berufsschullehrer und weitere ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer involviert.

Die Erfahrungen zeigen, dass die meisten angesprochenen Betriebe sich durchaus über den schwierigen Bewerbermarkt bewusst sind, das hohe Arbeitspensum jedoch eine individuelle Personalgewinnungsstrategie schwer möglich macht. So ist der Besuch von abendlichen Informationsveranstaltungen, Coachings oder Fortbildungen etc. zu den genannten Themen für viele Betriebsinhaber kaum zu meistern.

„AgZn“ konnte die meisten Tandems dadurch bilden, dass die potenziellen neuen Azubis vorab Berufsfelderkundungen und Kompetenzfeststellungen durchlaufen haben und sich dann in einem Praktikum im jeweiligen Betrieb als fähige Azubis bewiesen haben. Dabei konnten auch Bewerber überzeugen, deren Unterlagen auf den ersten Blick aussortiert worden wären.

Des Weiteren wurden Tandems übernommen in denen schon vorab ein Ausbildungsverhältnis bestand, jedoch von Seiten des Betriebes oder des neuen Azubis Unterstützungsbedarfe sichtbar wurden. Hier ist insbesondere festzustellen, dass mangelnde Sprachkenntnisse bei kürzlich zugewanderten Auszubildenden eine besondere Problematik darstellt, für die es noch keine adäquaten Lösungen gibt. Die Ausbildungszeit reicht hier für das Gesamtpaket bestehend aus Praxis, Theorie und Sprache sowie zusätzlichen Bildungsangeboten oft nicht aus.

Kooperation mit bestehenden Organisationen

Das Team von „AgZn“ hat auf der Projektinternetseite www.agzn.de Informationen rund um das Thema Ausbildung im Bauhandwerk redaktionell entlang der Zielgruppen Betriebe, Jugendliche und Multiplikatoren aufgearbeitet. Diese Informationen werden stetig erweitert.

Darüber hinaus gibt es eine laufende Abstimmung und Kooperation mit bereits bestehenden Organisationen und Initiativen aus dem Bereich der Arbeitsmarkintegration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund, um Kräfte zu bündeln.

Die Teilnahme ist für Betriebe und Jugendliche kostenfrei. Finanziell gefördert wird das Projekt “AgZn“ durch das Land Nordrhein-Westfalen und den Europäischen Sozialfonds.

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Weitere Informationen:
Jan Bender
Initiative für Beschäftigung OWL e.V.
eMail: jan.bender@ifb-owl.de

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