Mit den Herausforderungen weiterentwickeln: Das Jobcenter Gütersloh hat mittlerweile fünf arabisch sprechende Kolleginnen und Kollegen in der Arbeitsberatung

Die langen Züge von Menschen, die über die Balkan-Route nach West- und Mitteleuropa geströmt sind, haben wir noch alle vor Augen. Inzwischen sind die Asylverfahren weitgehend abgeschlossen. Die meisten haben nun einen offiziellen Flüchtlingsstatus und befinden sich somit ─ soweit sie nicht inzwischen eine Arbeit oder Ausbildung aufgenommen haben ─ als SGB II (Hartz IV)-Leistungsberechtigte in der Betreuung des Jobcenters. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Füchtlinge im Alter zwischen 15-65 Jahren um gut 1.000 auf nunmehr über 2.500 gestiegen.

Viele Geflüchtete haben weder einen Schul- noch Berufsabschluss

Damit besitzen inzwischen 5.900 von insgesamt 13.500 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (44 Prozent) einen ausländischen Pass. Größte Einzelgruppe sind mit deutlichem Abstand inzwischen Syrer (1.850) vor Türken (850) und Irakern (810). Die übrigen Ausländer verteilen sich auf über 90 verschiedene Herkunftsnationen. Rund 1.000 Flüchtlinge befinden sich noch in Sprachkursen, in der nächsten Zeit werden aber zwischen 70 und 100 Personen monatlich diese Kurse verlassen.

Die Aufgabe der Arbeitsintegration der Flüchtlinge ist sehr herausfordernd, da weniger als ein Drittel einen Schulabschluss und noch weniger einen anerkannten Berufs- oder Studienabschluss besitzen. So gilt es neben der Zuweisung in die richtige Sprachförderung herauszufinden, welche Tätigkeiten der Geflüchtete im Herkunftsland ausgeübt hat und welche davon hier arbeitsmarktlich interessant sind und verwertet werden können. Gegebenenfalls sind berufliche Anerkennungsverfahren einzuleiten oder spezielle Maßnahmen der Arbeitsmarktorientierung für Flüchtlinge oder geeignete Qualifizierungsmaßnahmen vorzuschlagen. Schließlich muss nach geeigneten Arbeits- und Ausbildungsplätzen gesucht werden.

Spezialisierte Berater im Jobcenter

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Sprechen muttersprachlich arabisch und beraten bei der Arbeitsmarktintegration von Migranten: (v.l.) Abdellah Ouakkar, Bouchaib Afrah, Naima Boudaa, Said Moussadak und Zineb Settouti mit Abteilungsleiter Rolf Erdsiek (2 v.l.). Foto: Inga Bambana

Die Beratung der Flüchtlinge erfolgt im Jobcenter anfänglich durch spezialisierte Arbeitsberater_innen Migration. Erst nach Beendigung der Sprachförderung und der meist in arabischer Sprache durchgeführten Potenzialanalysen erfolgt eine Übergabe an die reguläre Arbeitsberatung. Beim notwendigen Ausbau dieses Arbeitsbereiches hat unser Jobcenter auch muttersprachlich arabisch sprechende Kolleginnen und Kollegen gesetzt.

Bouchaib Afrah, Zineb Settouti und Abdellah Ouakkar haben einen eigenen Fallbestand. Sie können auf die Einbeziehung von Dolmetschern vollständig verzichten.

Bouchaib Afrah über seine Tätigkeit: „Auf der einen Seite wird mir im Dienst die Möglichkeit gegeben, die Flüchtlingsproblematik direkt durch die Betroffenen zu verstehen bzw. sozialpolitisch einordnen zu können. Auf der anderen Seite kann ich selbst als Beteiligter, favorisiert durch den eigenen Migrationshintergrund, aktiv einen positiven Einfluss auf die Betroffenen ausüben, um deren Integration in Deutschland schnell und effektiv voranzutreiben.“

Gute Arbeitsmarktlage befördert auch Integrationserfolge

Darüber hinaus stehen den (nicht arabisch sprechenden) Arbeitsberatern mit Naima Boudaa und Said Moussadak zwei Sprachmittler zur Verfügung, die aber auch notwendige Lotsenaufgaben für Flüchtlinge übernehmen. Als Vertrauenspersonen zwischen den Zuwanderern und den Kolleginnen und Kollegen sind sie bei Gesprächen dabei. „Es ist schön, helfen zu können“, sagt Boudaa.

Dank der sehr guten Arbeitsmarktlage, der zunehmend verbesserten Deutschsprachkenntnisse und der aktiven Unterstützung vieler Ehrenamtlicher und Flüchtlingsbegleiter gelingt es dem Jobcenter immer besser, Flüchtlinge in den heimischen Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu integrieren. Waren es 2016 noch 244 Integrationen konnten Ende des Jahres 2017 bereits 479 Integrationen gezählt werden. Die meisten Integrationen gelangen erwartungsgemäß im Helfermarkt, der meist über Zeitarbeitsunternehmen organisiert ist.

 

Weitere Informationen:

Rolf Erdsiek
Joocenter Kreis Gütersloh
eMail: rolf.erdsiek@gt-net.de

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