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Kompetenzen (an-)erkennen und fördern — Unterstützung im IQ Netzwerk

Der Weg für Migrantinnen und Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt ist oftmals mit einigen Hürden verbunden, insbesondere, wenn Qualifikationen im Ausland erworben wurden und potenziellen Arbeitgebern eine Einschätzung dieser schwer fällt. Entsprechen die Qualifiaktionen den hiesigen Berufsbildern und Anfordrungen am Arbeitsmarkt beitsmarkt? Ein formales Anerkennungsverfahren bei den zuständigen Stellen kann hier mehr Transparenz schaffen.

Was tun bei fehlenden Dokumenten?

Doch gerade bei der Gruppe der Asylsuchenden und Flüchtlingen erschweren die häufig fehlenden Dokumente deie Bewertung und Anerkennung zusätzlich. Dabei bringen die Menschen in der Regel vielfältige Kompetenzen und berufliche Qualifikationen mit.

Die Erfahrungen sowohl aus der Fachberatung zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse im IQ Netzwerk als auch aus anderen Programmen, wie dem XENOS-Bleiberechtsnetzwerk, zeigen, dass hier ein breites Spektrum an Berufsbildern – vom Facharbeiter bis hin zu akademischen Berufen – vorliegt, welches in der Vergangenheit jedoch aufgrund unsicherer Aufenthaltsstatus und Bleibeperspektiven nur wenig im Fokus stand.

Herausforderungen in der Beratung

Die Offenlegung dieser Kompetenzen und Potenziale ist für die Ratsuchenden selbst sowie für die Beraterinnen und Berater nicht immer einfach. Fehlende Kenntnisse über den deutschen Arbeitsmarkt auf Seiten der Migrantinnen und Migranten sowie sprachliche Hürden erschweren den Beratungsprozess.

Wie lassen sich die vorhandenen Kenntnisse und Fertigkeiten beschreiben und womit im deutschen System vergleichen? Macht ein (gebührenpflichtiges) Anerkennungsverfahren Sinn? Übliche Methoden und Instrumente der Kompetenzfeststellung und Potentialanalyse greifen hier oftmals nicht.

Positionsbestimmung mit IQ AnerkennungsKombi

Aus diesem Grunde hat die Netzwerk Lippe gGmbH im Rahmen des IQ Netzwerks
NRW in den vergangenen zwei Jahren ein neues Verfahren zur Unterstüt-
der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung entwickelt.

Die IQ AnerkennungsKombi ist ein anwendungsorientiertes mobiles Verfahren,
bei dem mit praktischen Übungen auf unterschiedlichen Niveaustufen in zehn
Praxisfeldern (z.B. Elektronik, Metall, Pflege oder Erziehung) vorhandene Kompetenzen erprobt und beobachtet werden können.

Die Übungen wurden gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus der Praxis, Berufskollegs und zuständigen Stellen (Kammern) analog zu den Anforderungen im deutschen Ausbildungssystem entwickelt. Die Aufgaben sind sprachlich entlastet und können – je nach Praxisfeld – mit grundlegenden
Deutschkenntnissen durchgeführt werden.

Kompetenzprofil als Entscheidungshilfe

Teilnehmende erhalten ein Kompetenzprofil, welches ihnen und den Beraterinnen und Beratern Orientierung bietet für weitere Entscheidungen, wie z.B. die Einleitung eines Anerkennungsverfahren bzw. einer dezidierten Qualifikationsanalyse bei den zuständigen Stellen (gem. § 14 BQFG) oder auch weiterer Qualifizierungsmaßnahmen. Asylsuchende und Flüchtlinge ohne Dokumente erhalten damit zudem einen ersten schriftlichen Nachweis, den sie mitunter bereits für Bewerbungsaktivitäten nutzen können.

„Durch AnKom weiß ich: Ich bin wer, ich brauche keine Angst haben“

IQ AnerkennungsKombi baut bei Teilnehmenden Hemmschwellen ab, sich ggf. auf eine Gleichwertigkeitsprüfung einzulassen. Kenntnisse über den deutschen Arbeitsmarkt werden erworben, Selbstvertrauen in das eigene Können gestärkt. Auch negative Ergebnisse können darin bestärken, sich weiter zu qualifizieren oder einen neuen Weg einzuschlagen.

„Die Frage, die ich mir gestellt habe, war: Wo stehe ich? Nun weiß ich, wo ich stehe und wo ich Nachholbedarf habe.“

Wichtig ist die Einbettung des Verfahrens in einen Beratungskontext, um Anschlussfähigkeit an weitere Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration herzustellen. Die IQ-Fachberatung zur Anerkennung, welche in OWL an drei Standorten (Stadt Bielefeld, Kreis Lippe, Kreis Paderborn) vertreten ist, stellt hier einen Anknüpfungspunkt dar.

Weitere Informationen unter:
Bei Interesse an dem Verfahren wenden Sie sich gerne an das Netzwerk Lippe .

Ansprechpartnerin: Stephanie Janzen 05231 6403 79, E-Mail: s.janzen@netzwerk-lippe.de

Weitere Informationen erhalten Sie auch unter www.iq-anerkennungskombi.de sowie www.netzwerk-lippe.de

Dieser Artikel wurde erstmalig in der Forum OWL Ausgabe 23, im Juni 2015 veröffentlicht. Autorin ist Frau Stephanie Janzen von der Netzwerklippe gGmbH.

 

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