Integration durch Qualifizierung im Betrieb − IQiB

Seit Oktober 2014 führt das Netzwerk Lippe in Detmold die Maßnahme „Integration durch Qualifizierung im Betrieb“ – kurz IQiB – im Auftrag des Jobcenters Lippe durch. 16 Teilnehmende werden über einen Zeitraum von maximal 24 Monaten beruflich orientiert, das Ziel ist die Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. In dieser Maßnahme hat sich das Jobcenter Lippe an dem Konzept der „Unterstützten Beschäftigung“ (UB) orientiert, das seit 2009 im SGB IX definiert ist.

Das Konzept der „Unterstützten Beschäftigung“

Der Begriff „Unterstützte Beschäftigung“ ist die deutsche Übersetzung des amerikanischen Begriffes „Supported Employment“. Durch die gesetzliche Verankerung im §38a des SGB IX wird ein Personenkreis anerkannt, dessen Leistungsspektrum zwischen einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) und dem allgemeinem Arbeitsmarkt liegt. Das Konzept „Unterstützte Beschäftigung“ ist ein innovativer, wertegeleiteter und methodischer Ansatz im Bereich der beruflichen Rehabilitation und Integration.

„Unterstützte Beschäftigung“ zielt auf bezahlte Arbeit in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Kerninhalte von Unterstützter Beschäftigung sind die persönliche Berufs- bzw. Zukunftsplanung, die Erarbeitung eines individuellen Fähigkeitsprofils, die Arbeitsplatzakquisition, die Arbeitsplatzanalyse und Anpassung des Arbeitsplatzes, die Qualifizierung im Betrieb (Job Coaching) sowie die Sicherung des Arbeitsverhältnisses durch eine kontinuierliche Berufsbegleitung.

Die Agentur für Arbeit beschränkt in ihrer Vergabe der Unterstützten Beschäftigung dieses Konzept auf die „Individuelle betriebliche Qualifizierung“ (InbeQ), weil für die weitere Berufsbegleitung das Integrationsamt die gesetzliche Zuständigkeit im Rahmen des SGB IX hat.

Das Konzept der „Integration durch Qualifizierung
im Betrieb“

IQiB ist ein Angebot für Erwachsene mit einer Behinderung oder einem besonderen Unterstützungsbedarf. Bei der Zuweisung durch das Jobcenter werden zwei Kriterien zu Grunde gelegt: Zuerst eine diagnostizierte körperliche oder psychische Beeinträchtigung oder eine schwere Lernbehinderung. Darüber hinaus müssen die Teilnehmenden an mindestens zwei Eingliederungsmaßnahmen erfolglos teilgenommen haben. Durch diese Definition ist es möglich, dass ein Grad der Behinderung nicht zwingend vorhanden sein muss, was gerade für Menschen, deren Beeinträchtigungen sich im Grenzbereich der gängigen Definition von Schwerbehinderung bewegen, zielführend ist.

Zielsetzung ist die Vermittlung in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Unter Berücksichtigung der individuellen Wünsche, Ressourcen und der jeweiligen behinderungsbedingten Leistungsfähigkeit der Teilnehmenden wird eine realistische berufliche Perspektive entwickelt und in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes über einen Zeitraum von 24 Monaten erprobt und weiterentwickelt.

Durch die individuelle Einarbeitung und praxisnahe Qualifizierung in einem potenziellen Einstellungsbetrieb soll eine langfristige und nachhaltige berufliche Eingliederung erreicht werden. An vier Tagen in der Woche sind die Teilnehmenden im jeweiligen Betrieb und werden dort bei Bedarf begleitet und unterstützt. Diese intensive Form der Beratung und Begleitung wird mit einem Personalschlüssel von 1 : 5 ermöglicht.

Die Maßnahme gliedert sich in die beiden Phasen der Orientierung, die in der Regel bis zu neun Monate dauert, und der betrieblichen Qualifizierung. In der ersten Phase wird ein Kompetenzprofil erstellt, bei dem auch die Ergebnisse einer hamet-Testung mit einfließen. Schnuppertage, Arbeitserprobungen und kürzere Praktika ermöglichen eine schrittweise Heranführung an die betriebliche Realität.

An einem Tag in der Woche findet beim Netzwerk Lippe ein Präsenztag statt. Hier erfolgen eine gemeinsame Praktikumsreflexion, die Vermittlung berufsübergreifender Lerninhalte und Schlüsselqualifikationen, Trainings zur Steigerung sozialer Kompetenzen und die Auffrischung schulischen Grundlagenwissens.

Die zweite Phase der betrieblichen Qualifizierung kann bis zu 15 Monate dauern und ist geprägt durch die Elemente des Job-Coachings direkt am Arbeitsplatz und die Entwicklung einer dauerhaften Betriebsperspektive. Die Teilnehmenden werden einmal wöchentlich im Betrieb besucht, es findet ein intensiver Austausch zwischen dem Teilnehmenden, einem betrieblichem Paten und dem Jobcoach statt. Nach einer erfolgreichen Vermittlung folgt eine sechsmonatige Nachbetreuung im Betrieb durch den Jobcoach.

Ergebnisse

Die Maßnahme „IQiB“ begann am 06. Oktober 2014 und wird noch bis zum 05. Oktober 2017 mit 16 Teilnehmenden weitergeführt. Insgesamt haben bis heute 31 Teilnehmende die Maßnahme „IQiB“ abgeschlossen. Neun Teilnehmende (29%) konnten in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden, sechs Teilnehmende (19%) mündeten in die Werkstatt für Menschen mit Behinderung ein.

Diese Zahlen haben das Jobcenter Lippe veranlasst, die Maßnahme IQiB zum Oktober 2017 für weitere vier Jahre erneut auszuschreiben.


Weitere Informationen:

Michael Dillenburg
Netzwerk Lippe gGmbH
email: m.dillenburg@netzwerk-lippe.de

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