Geflüchtete Frauen sozial integrieren – Maßnahmen und Initiativen der Stadt Bünde

Mit viel Engagement bemühen sich städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bünde und viele ehrenamtlich Engagierte seit 2014 Menschen mit Fluchterfahrung sozial zu integrieren. Dies geschieht auf vielfältige Weise. Besondere Initiativen sind erforderlich, um geflüchtete Frauen aus traditionellen Familien zu erreichen, da sie nach außen weniger in Erscheinung treten als die Männer.

Über 650 geflüchtete Menschen sind seit 2014 in der Stadt Bünde angekommen – weniger als ein Drittel davon sind Frauen, deren Heimatländer hauptsächlich Syrien, Irak, Afghanistan und Aserbaidschan sind.

Integration ist aus vielerlei Gründen eine große Herausforderung

Diese Menschen sozial zu integrieren ist eine große Herausforderung. Die Auflösung sozialer und gesellschaftlicher Strukturen, Krieg, Gewalt, der Verlust von Angehörigen bzw. deren ungewisse Situation hinterlassen Spuren bei den Zugewanderten. Besonders für Frauen ist Angst ein ständiger Fluchtbegleiter: Angst vor Gewalt, sexuellen Übergriffen, Hunger und Krankheit. Die Frauen fliehen wegen Unterdrückung und Verfolgung aus politischen und religiösen Gründen, aber auch vor genitaler Verstümmelung und Vergewaltigung.

„Der Blick auf die in Bünde zugewanderten Frauen und ihre Situation ist mir als Gleichstellungsbeauftragte sehr wichtig“, sagt Dorit Bethke. Um ihre Problemlagen zu erkennen und sie zu unterstützen war daher die Gründung von regelmäßigen Treffen nur für Frauen wichtig. Ein Deutschkurs für Frauen und eine „Offene Werkstatt für Frauen“, Fahrradkurse, Frauenfeste, etc. schaffen Möglichkeiten dazu. Betreut werden diese Treffen von kompetenten und sehr engagierten ehrenamtlich tätigen Frauen. Wenn sich Probleme zeigen, kann so gut reagiert werden, z.B. durch eine Vermittlung an Beratungsstellen.

Erfolgreich ist Integration besonders dann, wenn ein Zugang zum Arbeitsmarkt gefunden wird. Die erste Voraussetzung hierfür sind gute Deutschkenntnisse auf B1, besser B2 Niveau. Insbesondere für Frauen ist der Zugang zum Arbeitsmarkt schwierig. Hindernisse sind hier schlechtere Bildungshintergründe, weniger Erwerbserfahrung, eine geringere und spätere Beteiligung am Spracherwerb, sowie familiäre Verpflichtungen, wie die Kinderbetreuung.

So sind zwar einige der in Bünde zugewanderten Männer erwerbstätig, jedoch nur eine Frau, eine Ärztin. Zukünftige Aktivitäten der Gleichstellungsbeauftragten und vieler anderer Akteurinnen und Akteure zielen auf Hilfen, die den Zugang erleichtern.

Maßnahmen der Stadt Bünde zur sozialen Integration der Geflüchteten seit 2014

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Dorith Bethke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bünde, vor einem der städtischen Welcome-Center.

Mit viel Engagement bemühten und bemühen sich städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und viele ehrenamtlich Engagierte auf vielfältige Weise die Integration zu unterstützen und zu fördern:

Direkt nach der Zuweisung in eine Unterkunft, wobei auf familiäre Bindung, Religion, Sprache und Volkszugehörigkeit Rücksicht genommen wird und Einzelpersonen getrennt nach Geschlechtern untergebracht werden, gibt es eine Ankunftsberatung in Stadtteilbüros. Diese Erstberatung erfolgt meist in der Heimatsprache und ermöglicht eine individuelle Betreuung der verschiedenen Problemlagen.

In den sogenannten Welcome-Centern besteht dann ständig die Möglichkeit, Hilfe im Alltag und auch bei den notwendigen bürokratischen Formalien zu erhalten. Die Welcome-Center werden aber auch für viele andere Angebote genutzt, wie z.B. für die Integration so wichtigen Sprachkurse, für eine „Offene Werkstatt für Frauen“, wo einmal in der Woche gehandarbeitet, gebastelt und Deutsch gelernt wird, für Malkurse, für Treffen und Feste, eine Beratung zur Teilnahme an Sportkursen wird angebotenen, und ─ sehr wichtig ─ es gibt hier ein freies Wlan-Netz, sodass z.B. die Verwandten in der Heimat erreicht werden können.

Entscheidend: Die Unterstützung durch Ehrenamtliche

Entscheidend für die Integration ist auch die vielfältige Arbeit der vielen ehrenamtlich engagierten Menschen in Bünde. Hier sind u.a. der Verein International und die Flüchtlingsbegleitgruppe zu nennen. Der Verein International organisiert seit Ende 2014 einmal wöchentlich ein Treffen und bietet auch Deutschunterricht, Ausflüge, Konzert- und Ausstellungsbesuche, eine Fahrradwerkstatt, Begleitung bei Arztbesuchen und Amtsgängen und vieles mehr. Die Flüchtlingsbegleitgruppe hat als oberstes Ziel die Bildung von Patenschaften mit geflüchteten Menschen und damit Hilfe in Lebenslagen, die so individuell und vielfältig sind, wie die Menschen selbst.

Unterstützung erhalten die ehrenamtlich Engagierten dann von der Stadt und auch von einer Ehrenamtskoordinatorin der Jugendhilfe Schweicheln im Rahmen des Freiwilligennetzwerkes „Engagiert für Flüchtlinge“.

Erste Priorität für die Integration ist natürlich das Beherrschen der deutschen Sprache. Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Iran, Somalia und Eritrea konnten schon bald nach ihrer Ankunft vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderte Integrationskurse besuchen und durch diese Sprachförderangebote mittlerweile ein gutes Sprachniveau von B1/B2 erreichen. Schwieriger ist es für die Geflüchteten, die nicht aus den fünf Staaten mit Bleibeperspektive kommen, denn diese haben lediglich die Möglichkeit an Grundlagensprachkursen der VHS von etwa 150 bis 160 Stunden teilzunehmen.

Hier ist die Unterstützung von Ehrenamtlichen von besonderer Bedeutung. So findet u.a. einmal in der Woche ein Deutschkurs für Frauen statt. Teilnehmende sind häufig schwangere Frauen oder Frauen mit kleinen Kindern, die ohne die Hilfe der engagierten Frauen z.T. isoliert wären, hier aber Deutschkenntnisse, Austausch und Anregungen bekommen und sogar bei Bedarf von Zuhause abgeholt werden.

Förderung der persönlichen Verantwortung

Zur Förderung der Integration ist die Stadt Bünde grundsätzlich bemüht, die ihr zugewiesenen Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Es wird den Menschen aus den Ländern mit Bleibeperspektive noch vor Abschluss des Asylverfahrens die Anmietung einer privaten Wohnung zugestanden. Ein nicht unerheblicher integrationsrelevanter Aspekt dabei ist, dass nicht die Stadt Mieterin der Wohnungen ist, sondern Personen frühzeitig die Verantwortung für die Einhaltung mietvertraglicher Pflichten selbst übernehmen.

Soweit private Wohnungen nicht verfügbar sind, erfolgt die Unterbringung von Frauen und Familien unabhängig von der Herkunft grundsätzlich nicht in großen Sammelunterkünften, sondern in zwei Reihenhaussiedlungen der ehemaligen britischen Streitkräfte in den zentral gelegenen Stadtteilen Hunnebrock und Bünde-Mitte. Unabhängig vom Sozialleistungsbezug waren im September 2017 357 Menschen in Unterkünften der Stadt Bünde untergebracht. Zum gleichen Zeitpunkt lebten 101 Flüchtlinge mit Asylbewerberleistungsansprüchen in privat angemieteten Wohnungen.

Neu ist die Teilnahme der Stadt Bünde am Bundesprogramm: „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“. Im Fokus stehen bei diesem Projekt auch Kinder mit Flucht- und Migrationshintergrund, die keine Kindertageseinrichtung besuchen. Durch einen frühen Einstieg wird Integration erleichtert, denn sie lernen schnell die deutsche Sprache und knüpfen Kontakte.

Diese Maßnahme fördert auch die Familien der Zugewanderten, insbesondere die Frauen, denn sie haben dann die Möglichkeit, sich um eigene Integrationsmaßnahmen zu kümmern, Sprachkurse zu besuchen, einer erwerbsmäßigen Beschäftigung nachzugehen.

Weitere Informationen unter:
Dorit Bethke

Stadt Bünde
eMail: D.Bethke@Buende.de

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