Gebärdensprache im Jobcenter Lippe

Simone Koch ist seit 2006 als Integrationsfachkraft im Jobcenter Lippe tätig. Sie unterstützt Gehörlose sowie Kolleginnen und Kollegen im Jobcenter durch ihre Fähigkeiten in der Gebärdensprache. Im Interview erklärt sie die positiven Auswirkungen auf ihre Arbeit.

Frau Koch, können Sie mit den Händen sprechen?

Seit 2012 versuche ich das in Form von Gebärdensprache stetig zu verbessern. Mittlerweile würde ich sagen, dass ich mich in Gebärdensprache auch unterhalten kann.

Wie kamen Sie zur Gebärdensprache?

Zufällig. Vor einigen Jahren hatte ich als Fallmanagerin ein gehörloses Ehepaar in der Beratung. Die Motivation der Beiden arbeiten zu wollen hat mir imponiert. Wir haben anfangs Dialoge notiert und ausgetauscht, was sehr mühsam war. In dieser Zeit habe ich im Kursprogramm der VHS vom Kurs Gebärdensprache gelesen und so kamen Idee, Motivation und Angebot zusammen.

Simone Orbke

Simone Koch „im Gespräch“.

Mit einem VHS-Kurs ist es aber nicht getan, oder?

Nein, die sechs Monate waren aber der Einstieg. Aus dem Kurs entwickelte sich allerdings eine Gruppe von vier Leuten die dabei geblieben ist und sich seither wöchentlich zum Üben trifft. Das hat geholfen, dabei zu bleiben und sich weiter zu verbessern. Auch das Jobcenter ist durch meinen damaligen Fachgebietsleiter auf die Beratungsmöglichkeit aufmerksam geworden und hat mich gefördert.

Wie sah diese Förderung aus?

Neben den alltäglichen Inhalten der DGS (Deutschen Gebärdensprache) war es das Ziel, berufsbezogene Inhalte zu den Themen Rund um das Jobcenter vermittelt zu bekommen. Über einen DGS-Dozenten habe ich 10 x 4 Unterrichtseinheiten zu Themen und Fragetechniken erhalten. Schwerpunkte waren Bewerbungen, Lebenslauf, Antragsstellungen und die Fähigkeit, persönliche Daten vermittelt zu bekommen. Zusätzlich konnte ich durch die wöchentlichen Übungstreffen in einer Gruppe trainieren. In Detmold gibt es außerdem den „Arbeitskreis hören“ und einen Gehörlosenstammtisch.

In wieweit hat dies Ihr Arbeitsfeld und die Zusammenarbeit mit den Gehörlosen Menschen verändert?

Mittlerweile bin ich feste Ansprechpartnerin im Jobcenter und werde auch an anderen Standorten für das Dolmetschen angefordert. Auch die Kundinnen und Kunden kennen mich natürlich mittlerweile und kommen zu mir. Darüber hinaus arbeite ich eng mit Bernd Joachim von der Lippischen Landeskirche zusammen. Er ist dort Diakoniereferent mit dem Schwerpunkt Gehörlose Menschen. Bei vorliegendem SGB-II-Bezug oder anderen Fragen vermittelt er die Kundinnen und Kunden an mich weiter.

In den letzten zwei Jahren konnten wir auf diese Weise fünf gehörlose Menschen in Beschäftigung bringen und vermitteln. Dazu gehört auch eine Nachbetreuung, damit die Integrationen nachhaltig erfolgreich sind. Die Dankbarkeit und der Wunsch nach Zusammenarbeit ist so groß, dass man alle Mühen und Wege dabei vergisst.

 

Weitere Informationen:

Simone Koch
Jobcenter Lippe
eMail: simone.koch@jobcenter-lippe.de

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