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Ein persönlicher Rückblick auf 12 Jahre Forum OWL

Mit der Entscheidung, das arbeitsmarktpolitische Forum OWL einzustellen, hat das Herausgebergremium die Konsequenz aus den strukturellen Entwicklungen der letzten Jahre gezogen.

Start 2006

Die erst gedruckte Ausgabe ist im Mai 2006 unter dem Leitthema „1 Jahr Arbeitsmarktreform  – Strukturveränderungen in OWL“ erschienen. Der Austausch zwischen den damals noch neuen Arbeitsmarktorganisationen zur Grundsicherung für Arbeitsuchende, den ARGEn und der Optionskommune Minden-Lübbecke stand im Mittelpunkt.

Hinzu kamen mit der Regionalagentur OWL die neuen Strukturen der regionalisierten Arbeitsmarktpolitik des Landes Nordrhein-Westfalen und regionalen EQUAL-Projekte Forum.Ost und ATYPICO. Insgesamt herrschte Aufbruchstimmung. Bund und Land schufen nicht nur neue arbeitsmarktpolitische Spielräume, sondern sorgten mit reichlicher Mittelausstattung auch dafür, dass diese genutzt werden konnten.

Inhalte sorgten für Öffentlichkeit in der Arbeitsmarktpolitik

In den Folgejahren reflektierte das Forum OWL die gesamte Bandbreite dieser Ansätze. Ältere, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen, Arbeitsmarkt und Gesundheit, spezialisiertes Fallmanagement – die Titelthemen des Forum OWL markierten nicht allein die Inhalte des Austausches, sondern sie sorgten in der gesamten Region auch für eine Öffentlichkeit für die Arbeitsmarktpolitik.

Das Forum OWL wurde nicht nur der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern im Verteiler waren vielfach auch Kreistags- und Ratsmitglieder. Während im Anschluss an die Finanzkrise 2008/2009 die Unternehmen stark unter Druck standen, spiegelte der Titel „Beschäftigung halten – Vorfahrt für Qualifizierung“ im Februar 2009 auch den Willen der Arbeitgeber wider, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten.

Überregionaler arbeitsmarktpolitischer Wirkungskreis

Beiträge von Dr. August Oetker und Prof. Dr. Gunther Olesch belegen auch das Interesse der Wirtschaft am Forum OWL. Das Grußwort für die Ausgabe „Alleine – kaum zu schaffen“, die schwerpunktmäßig die Arbeitsmarktintegration von Alleinerziehenden thematisierte, wurde von Armin Laschet, dem damaligen Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration und heutigem Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen geschrieben.

Durch das Forum OWL wurden die regionalen arbeitsmarktpolitischen Ansätze auf diese Weise ebenso überregional bekannt. Dies zeigte sich insbesondere auch in der Ausgabe zu transnationalen Projekten, in der Stimmen aus dem europäischen Ausland zur Anwerbung von Fachkräften zu Wort kamen. Die Ausgabe 24 mit dem zentralen Thema: „2. Arbeitsmarkt – Perspektiven für Arbeitslose“ erwies sich angesichts der aktuellen Diskussion als geradezu prophetisch.

Interessenverschiebung von Herausgebern und Zielgruppen

Sukzessive ließ jedoch das Interesse am Format Forum OWL nach. Dies machte sich auch in der Fluktuation im Redaktionsgremium bemerkbar. Die Gründe sind sicherlich vielfältig, haben aber auch mit der Professionalisierung der regionalen SGB-II-Träger und der Intensivierung des Austausches untereinander zu tun.

Da die Initiative für Beschäftigung OWL, das Netzwerk Lippe, die REGE und die Regionalagentur OWL die einzigen Vertreter von Nicht-SGB II-Institutionen im Redaktionsgremium sind, wurde für die Jobcenter der Mehrwert durch Austausch offensichtlich immer geringer. Auch wurde die Themenfindung immer schwieriger, u.a. weil immer weniger Fördermittel für innovative regionale Modellprojekte flossen.

So ging es im Forum OWL immer stärker in die Richtung, doch auf jeden Fall immer den regionalen Proporz zu wahren. Jeder Kreis bzw. die Stadt Bielefeld sollte immer mit irgendwas vertreten sein müssen.

Der Wechsel von print zu online sollte interaktiven Austausch fördern

Vermehrt blieben die gedruckten Exemplare liegen, wurden teilweise erst Wochen nach dem Druck in der Geschäftsstelle der Initiative für Beschäftigung OWL abgeholt. Dies führte Anfang 2017 zu der Entscheidung, das Forum nur noch virtuell anzubieten.

Das Herausgebergremium verband mit der Entscheidung die Hoffnung, mit dem neuen interaktiven Format schnell auf neue Themen reagieren zu können, zu Diskussionen anzuregen und so Leben in die regionale arbeitsmarktpolitische Debatte zu bringen.

Das hat nicht funktioniert. Das Ergebnis war hinsichtlich der Beteiligung – nicht der Beiträge – desaströs. Und so bleibt nur ein sauberer Schlussstrich: In Zukunft wird es kein Forum OWL mehr geben. Im Rückblick sind in den vergangenen 12 Jahren jedoch eine Menge spannender Diskussionen geführt worden, die ihre Qualität auch durch die unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten gewonnen haben.

Nicht zuletzt waren es die beteiligten Personen, die durch ihr Engagement das Forum OWL getragen und gepusht haben. Ihnen gebührt Dank. Namentlich erwähnt werden muss Daniela Pixa, die für die redaktionelle Umsetzung verantwortlich war und mit großer Geduld die Beiträge letztlich immer erfolgreich eingefordert hat.

Dr. Wolfgang Sieber

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