Bielefelder Projekte zur Sprachförderung für Flüchtlinge

Die Angebote der REGE mbH richten sich an benachteiligte Personen des Arbeitsmarktes und haben die Themen Sprache, Berufsorientierung, Ausbildung und Arbeit als Schwerpunkt. Insbesondere Asylsuchende und Flüchtlinge sind bei der Heranführung an den deutschen Arbeitsmarkt auf professionelle Unterstützung angewiesen. Die REGE mbH hält daher ein vielfältiges Angebot von Projekten und Dienstleistungen für die geflüchteten Menschen in Bielefeld vor. Frauen und Mädchen mit Fluchterfahrung profitieren ganz besonders von diesen Angeboten.

Kurse für Frauen mit Kinderbetreuung

Im Rahmen der „Kommunalen Sprachförderung für Flüchtlinge“, die seitens der REGE mbH koordiniert wird, konnten bereits über 300 geflüchtete Frauen und Mädchen in ihrer sprachlichen Entwicklung gefördert werden. Viele von ihnen durch spezielle „Frauenkurse mit Kinderbetreuung“ oder durch „Sprachtreffs“ in den Stadtteilen. Die Teilnehmerinnen werden durch diese Angebote befähigt, die anfänglichen Herausforderungen des Alltags in Deutschland zu bewältigen und erste berufliche Perspektiven zu erarbeiten.

Allein durch das Projekt „Alpha OWL“ wurden insgesamt 29 Frauen in berufsbezogene Sprachkurse und 28 Frauen in diverse andere Qualifizierungsangebote vermittelt. 20 Teilnehmerinnen gelang durch die individuelle Beratung und Qualifizierung sogar die Aufnahme einer Arbeit.

Insgesamt 13 Frauen mit Fluchterfahrung wurden bisher im Rahmen eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses bei der REGE mbH als „Integrationslotsinnen“ beschäftigt. Sie unterstützen andere Flüchtlinge bei der Bewältigung ihrer Alltagsherausforderungen und beim Ankommen in der neuen Umgebung.

Junge Geflüchtete erhalten Unterstützung durch die Beratungsstelle, die Schulsozialarbeit der Internationalen Förderklassen (IFK) und die KAUSA Servicestelle.

Besonders schwierig: Der Übergang in eine Ausbildung

Die Übergangsgestaltung in die Ausbildung stellt eine besondere Herausforderung dar, da die fachsprachlichen Anforderungen in den theoretischen Anteilen der Ausbildung die jungen Menschen häufig überfordern. Die Berufsinteressen der jungen Frauen liegen häufig in den gendertypischen Berufsfeldern, dem sozialen und dem Pflege-Bereich. Diese Ausbildungen sind häufig schulisch organisiert und entsprechend sprachlastig ausgerichtet. Nach zwei Jahren Deutschförderung sind die Schülerinnen den schriftsprachlichen Anforderungen kaum gewachsen und müssen entsprechend deutliche Mehrarbeit in der Freizeit aufwenden.

Ein Beispiel ist Makeba aus Äthiopien. Sie ist vor knapp fünf Jahren als unbegleitetes minderjähriges Mädchen nach Deutschland eingereist und wurde in einem Clearinghaus aufgenommen.

„Porto Amal war wichtig für mich. Die Menschen dort waren so nett und haben mir viel geholfen. Ich hatte Angst, alleine zu Behörden zu gehen.“ Die Landesberatungsstelle der REGE mbH hat den Schulplatz in einer IFK für Makeba organisiert. Später besuchte sie eine Sprachschule in Espelkamp und hat dann an einem Bielefelder Berufskolleg den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 erworben. Dort hat sie ein zweiwöchiges Praktikum in einer Betreuungseinrichtung für Menschen mit Behinderungen absolviert.

„Es war ein gutes Gefühl, Menschen zu helfen und das war der Anfang, dass ich wusste, ich möchte etwas Soziales mit Menschen machen.“ Im Anschluss bestand die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Altenpflegerin zu beginnen, „aber damals war ich noch nicht lange genug in Deutschland und konnte darum kein BAföG bekommen, darum konnte ich die Ausbildung nicht sofort beginnen. Jetzt sind die Gesetze etwas anders. Damals war ich sehr traurig. Ich habe dann ein FSJ gemacht. In der Zeit bin ich auch schwanger geworden, aber ich habe weiter gearbeitet bis zum Mutterschutz. Die Zeit war auch gut für mich. Ich habe die Arbeitswege und die Regeln der Arbeit kennengelernt.“

Unterstützung auch während der Ausbildung

Nach einer einjährigen Elternzeit hat Makeba einen neuen Einstieg in die schulische Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen und wird von der KAUSA Servicestelle der REGE mbH unterstützt. „Die Lehrer benutzen schwere Worte, ich weiß nicht, ob ich das schaffe, aber ich mache weiter. Ich kann nicht so gut aktiv mitarbeiten, weil ich meine Aufmerksamkeit brauche, um alles zu verstehen. Vieles arbeite ich zuhause mit Google nach, weil wir im Unterricht kein Handy benutzen dürfen. Es ist schwer, aber es ist genau mein Ding.“

Zuhause fehlt manchmal jemand, der unterstützen kann. Makeba hat eine Tagesmutter in der Nähe der Schule gefunden. Um mehr Zeit zum Lernen zu haben, wäre ein Kita-Platz eigentlich besser gewesen, aber dann könnte sie morgens nicht pünktlich in der Schule sein.

Über die REGE mbH wurde auch eine Unterstützung über das Projekt VerA initiiert. „VerA- Nachhilfe ist gut, ich kann meine Tochter mitnehmen. Und wir üben auch für die Hausaufgaben. Mein Bild von Deutschland ist anders, ich hatte so viel Hilfe und so viele liebe Menschen, das hat mir gut getan.“

 Weitere Informationen:
Yasin Sever
REGE mbH
eMail: y.sever@rege-mbh.de

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