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Bielefelder Ansatz zur sprachlichen und Arbeitsmarkt-Integration

„Die geflüchteten Menschen sollen sich willkommen fühlen und wir wollen ihnen helfen. Wir wollen die Zuwanderung und die damit verbundenen Veränderungen aber auch so gestalten, dass die Menschen, die hier leben, hier schon länger zuhause sind, damit auch umgehen können und zurechtkommen. Daher haben wir in Bielefeld das Projekt „Bielefeld integriert − Handlungskonzept für den Umgang mit der Flüchtlingszuwanderung“ initiiert. Startpunkt war ein Spitzengespräch am 24. März 2015“[1]

Das Handlungskonzept „Bielefeld integriert“ am Beispiel „Sprache + Arbeit“[2]

Um diesen Anspruch zu erfüllen, wurden zu folgenden vier Handlungsfeldern Fachgruppen gebildet:

  • Unterbringung und Versorgung
  • Gesellschaftliche Teilhabe
  • Sprache, Ausbildung und Arbeit
  • Bürgerschaftliches Engagement (als Querschnittsaufgabe).

Die Gesamtsteuerung obliegt dem Lenkungskreis, in dem alle Erkenntnisse und transferrelevanten Aspekte aus einzelnen Fachgruppen zusammenflossen.

Die jeweiligen thematischen Experten und Expertinnen in den Fachgruppen von allen relevanten Akteuren schufen − an den Bedarfen der geflüchteten Menschen orientierte, aufeinander abgestimmte − Prozesse. Vorhandene Angebote, mit Ihrem jeweiligen Beitrag zu einer gelungenen Integration in die Stadtgesellschaft, wurden aufeinander abgestimmt. Aber auch fehlende Elemente wurden herausgearbeitet und führten − teilweise schon während der Prozessentwicklung − auch zu politischen Aufträgen an die Stadt Bielefeld, diese „strukturellen Löcher“ in der Angebotslandschaft zu füllen.

Arbeitsansatz am Beispiel der Fachgruppe „Sprache, Ausbildung und Arbeit“

Der Arbeitsansatz wird im Folgenden am Beispiel des Handlungsfeldes „Sprache, Ausbildung und Arbeit“ näher beleuchtet und dabei auch aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge reduziert auf die Aspekte „Sprache und Arbeit“. Diese thematische Teilung erfolgte auch innerhalb der Arbeitsgruppen, um durch diese Gliederung zu qualitativ besseren Abbildungen und schnelleren Ergebnissen zu gelangen.

Die Fachgruppe „Sprache und Arbeit“ war − mit dem Koordinierungsauftrag der REGE mbH (für „Sprache“) gemeinsam mit dem Jobcenter Arbeitplus in Bielefeld (für „Arbeit“) − besetzt mit Experten und Expertinnen aus Sozialdezernat, Kommunales Integrationszentrum, Integrationsrat, Arbeitgeberverband, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Arbeitsagentur und Vertretern und Vertreterinnen der Bielefelder Sprach- und Bildungsträger.

Die Zusammensetzung der Fachgruppe spiegelt wieder, dass es kein rein kommunales Aktionsfeld ist, sondern hier alle relevanten Akteure durch die Kommune an einen Tisch gebracht wurden, um optimale Prozesse zu gestalten. Erfolge − aber auch Misserfolge − bei der Integration von geflüchteten Menschen werden als zuallererst in deren Lebenswirklichkeit und somit in der Stadtgesellschaft spürbar, und daher war ein präventiver, kommunaler Impuls notwendig.

Die Fachgruppe hat zunächst das Gesamtziel von „Bielefeld integriert“ für ihre Arbeit konkretisiert: Ziel ist die Entwicklung eines optimalen Hilfe- und Unterstützungsprozesses für neu angekommene Flüchtlinge in Bielefeld im Kontext „Sprache, Ausbildung, Arbeit“. Es bestand Einigkeit, dass die Prozessentwicklung idealtypisch sein solle, aber auch das Machbare berücksichtigt und nicht bodenlos arbeitet. Ebenso sollte der Prozess in dem Sinne ein Ende haben, dass der geflüchtete Mensch in Bielefeld nicht ein Leben lang ein Flüchtling bleibt, sondern als Bürgerin und Bürger Bielefelds gesehen wird.

Daraus resultierte einerseits eine prozessorientierte Abbildung der Angebote, jeweils getrennt nach den Themenfeldern „Sprache“ und „Arbeit“ auf einer Zeitachse, um die Verzahnung von zwei bedeutenden Faktoren gesellschaftlicher Integration miteinander – auch in den Wechselwirkungen − abzubilden.

Prozessbeschreibung Sprache/Arbeit

Anderseits wurde durch eine gestrichelte, vertikale Linie (siehe exemplarische Prozessabbildung rechter Rand) verdeutlicht, dass die flüchtlingsspezifischen Angebote auch ein Ende haben und sodann bei (sozialen) Herausforderungen, ein ganz „normales“ Regelsystem greift, ohne eine ewige Zuordnung zu einem Fluchtkontext. Diese Sichtweise vermeidet auch in der Aufnahmegesellschaft eine lang anhaltende Defizitorientierung in der Personengruppe immer neu zu befördern.

Danach erfolgte die Analyse dessen, was im System auch fehlt (s.g. „strukturelle Löcher“). Diese finden sich in der Abbildung (exemplarisch) als rote Punkte. Dazu zählten zu Beginn u.a. das Einstiegssprachkurs-Angebot oben links in der Abbildung sowie Sprachtreffs als Gelegenheitsstruktur sowie die unten mittig zu sehenden Angebote „AGH (Arbeitsgelegenheiten) für Flüchtlinge“ (nach §5 Asylbewerberleistungsgesetz) und „Arbeit für Flüchtlinge“. Hier hat die Stadt Bielefeld umgehend reagiert und entsprechende Lücken durch kommunal finanzierte Angebote geschlossen.

In der Mitte der Abbildung finden sich die Akteure, die mit Linien zu den jeweiligen Angeboten verbunden werden könnten, um eine Verantwortungsstruktur herauszustellen (in dieser Übersicht wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit darauf verzichtet).

Wie geht es weiter?

Der Prozess ist nicht beendet und die Arbeit der Fachgruppe „Sprache, Ausbildung, Arbeit“ wird fortgesetzt. Alle Akteure sehen für die geflüchteten Menschen und die eigene Arbeit in diesem besonderen, weil produktiven, Netzwerk, eine Win-win-Situation.

Sich bereits veränderte Rahmenbedingungen wie z. B:

  • in der Sprachförderung für geflüchtete Menschen durch die Basissprachkurse des Landes NRW oder
  • die sich derzeit entwickelnden Sprachkurse im Rahmen der nationalen Deutschförderung (DeuFöV) als zukünftiger Ersatz für die berufsbezogenen ESF-BAMF-Sprachkurse sowie
  • die s.g. Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen des Bundes

führten zu Anpassungen in der Prozessbeschreibung. Dazu kamen die oben genannten kommunal geschaffenen Angebote, die sich durch die Visualisierung einer „idealtypischen Prozessbeschreibung“ passgenau in die vorhandenen Strukturen einbetten ließen. Es bleibt aber notwendig, laufend die geschaffenen Systeme auf aktuelle Entwicklungen anzupassen und somit auch die Prozesse neu zu gestalten. Insoweit ist der Ansatz in „Bielefeld integriert“ auf ein längerfristiges Engagement aller Beteiligten ausgelegt.


[1] Zusammenfassung des gleichnamigen Impulsreferats von Ingo Doerk auf der Tagung  „Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge“ vom 2. bis 4.Mai 2016 in der Evangelischen Akademie Loccum

[2] Auszug aus dem ersten „Newsletter – Bielefeld integriert“ der Stadt Bielefeld vom April 2015


Weitere Informationen:

REGE mbH

Ingo Doerk

Bereichsleiter Kommunale Arbeitsförderung

eMail: i.doerk@rege-mbh.de

 

 

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