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Begleitete betriebliche Umschulung ist ein Erfolgsmodell

Die begleitete betriebliche Umschulung (bbU) ist seit vielen Jahren ein bewährtes Instrument zur nachhaltigen Arbeitsmarktintegration  im Jobcenter Lippe. Das Angebot richtet sich an ALG-II-Empfänger, die keine abgeschlossene Ausbildung haben. Anders als bei üblichen Umschulungsmaßnahmen lernen die Auszubildenden nicht in Gruppen mit gelegentlichen Praktika, sondern absolvieren die Umschulung in einem Betrieb. Lebensunterhalt, Miete, Prüfungsgebühren und bei Bedarf Nachhilfe zahlt das Jobcenter. Auch außerhalb der Kreisgrenzen hat das Angebot Interesse bereits geweckt. Im Folgenden wird erläutert, wie dieses Modell funktioniert und was seine Vorteile sind. Norbert Priesel, Weiterbildungsberater beim Jobcenter Lippe sowie Dirk Peitzmeier und Darja Niemann, Bildungsbegleiter der Deutschen Angestellten-Akademie, geben Auskunft.

Foto_bbU

V. l.: Dirk Peitzmeier und Darja Niemann von der Deutschen Angestellten-Akademie im Gespräch mit Norbert Priesel, Weiterbildungsberater beim Jobcenter Lippe.

Was bedeutet der Begriff  „bbU“ bei Umschulungen?

Norbert Priesel: Wir bezeichnen diese Umschulungsform als begleitete betriebliche Umschulung. Es handelt sich also um eine betriebliche Einzelmaßnahme, die sowohl vor Beginn, als auch während der Umschulung sozialpädagogisch  und fachlich flankiert wird. Wir haben im Rechtskreis SGB II  im Kreis Lippe dieses Modell in den vergangenen zehn Jahren zusammen mit der Deutschen Angestellten-Akademie  permanent weiterentwickelt. Ziel war es, unseren Kunden ohne Berufsabschluss die Möglichkeit einzuräumen, gemäß Ihren individuellen persönlichen Fähigkeiten und abhängig vom Fachkräftebedarf des Arbeitsmarktes  einen Berufsabschluss in einem dualen Ausbildungsberuf zu vermitteln. Hierbei spielt die gezielte Unterstützung insbesondere bei  dieser verkürzten Ausbildungsform eine zentrale Rolle.

Wie kommt jemand  auf den  Gedanken,  einen Berufsabschluss nachzuholen?

Norbert Priesel: Stellt  der beschäftigungsorientierte Berater bei seinem Kunden in der Beratung Qualifikationsdefizite oder einen fehlenden Berufsabschluss  fest, bietet er ihm eine Beratung bei einer speziell geschulten Weiterbildungsfachkraft  des Jobcenters an. Hier werden mit dem Kunden alle wichtigen Fragen für seine berufliche Neuorientierung erörtert und eine Förderentscheidung getroffen. An diesem Punkt wird bereits die betriebliche Einzelumschulung in begleiteter Form ins Gespräch gebracht und ggf. der Kontakt mit den Bildungsbegleitern der Deutschen Angestellten-Akademie hergestellt.

Was ist Ihre Aufgabe als Bildungsbegleiter?

Darja Niemann: Wir führen mit dem Kunden ein Aufnahmegespräch mit einer Feinanalyse durch, in dem das festgelegte Bildungsziel und das Vorgehen bei der Akquise für einen Umschulungsplatz  vereinbart werden. Bereits vor Beginn der Vorbereitungsmaßnahme wird versucht, Kontakt mit potenziellen Umschulungsbetrieben aufzunehmen.

Welches Ziel verfolgt die Vorbereitungsmaßnahme?

Dirk Peitzmeier: Die Vorbereitungsmaßnahme soll zum einen allgemeinbildende und schulische Defizite aufarbeiten, zum anderen den Kunden auf die Inhalte seiner Umschulung vorbereiten. Ebenso sollen die formalen Voraussetzungen (Verträge, Kammereintragung, Förderanträge) für die Umschulung geschaffen sowie persönliche Problemlagen flankiert werden.

Wie sieht dann der eigentliche Beginn der  betrieblichen Umschulung aus?

Dirk Peitzmeier:  Für den gesamten Maßnahmezeitraum wird  eine Einzelfallbetreuung (Betriebsbesuche, Berufsschulkontakte) durch die Bildungsbegleiter gewährleistet. Die Umschüler nehmen die sozialpädagogische Begleitung sowie den individuellen Stützunterricht durch unsere Fachdozenten (z.B. Vorbereitung auf Klassenarbeiten in der Berufsschule) in Anspruch. Dabei profitieren die Teilnehmer von unseren langjährig aufgebauten Betriebskontakten ebenso wie von unseren sozialpädagogischen Angeboten.

 Was sehen Sie als besonderen Vorteil einer begleiteten betrieblichen Umschulung aus Sicht des Jobcenters Lippe?

Norbert Priesel: Sehr hilfreich ist die unmittelbare Einbindung der Umschüler in den betrieblichen Alltag der Unternehmen in der Region. Hier können die Teilnehmer ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in den betrieblichen Kontext einbringen und erproben. Gleichzeitig erfolgt eine gute fachbezogene Unterweisung durch die Berufsschule im Berufsbild. Durch den Umschulungsbetrieb werden dann reale Anforderungen an die Primärtugenden der Umschüler gestellt. Durch die  Einbindung in das Unternehmen bilden sich über den Umschulungszeitraum hinweg soziale Beziehungsebenen, welche nach einem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung einen wertvollen Baustein bei der Arbeitsmarktintegration bilden können: Ein Umschulungsbetrieb mit Fachkräftebedarf wird einen ausgebildeten Facharbeiter in der Regel nicht an den Arbeitsmarkt zurückgeben. Bedingt durch diese Faktoren  und begünstigt durch die steigende Fachkräftenachfrage verzeichnen wir in den vergangenen Jahren eine Integrationsquote von durchschnittlich 70 Prozent nach Abschluss der begleiteten betrieblichen Umschulungen.

Weitere Informationen:

Jobcenter Lippe
Norbert Priesel
eMail: norbert.priesel@jobcenter-lippe.de
Tel.: 05231-4599-229

Deutsche Angestellten-Akademie
Dirk Peitzmeier
Darja Niemann
eMail: info.daa-detmold@daa.de
Tel.: 05231-30386-10

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