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Begeisterung — Erlebnis — Aktivierung — Toleranz — Zusammenarbeit: BEATZ4OWL

Du musst gar nichts! Aber wir glauben, dass du was kannst! – Trotz zahlreicher Angebote werden nicht alle Jugendlichen von den Sozialleistungssystemen erreicht. Diese Jugendlichen sind in der Regel weder beschäftigt, noch nehmen sie am Schulunterricht oder an einer Ausbildung teil. Deshalb werden sie als NEETs (Not in Education, Employment or Training) bezeichnet. Im Projekt BEATZ4OWL geht es darum, diese Zielgruppe wieder zur Teilhabe an der Gesellschaft zu motivieren und sie auf dem (Rück-)Weg in Bildungsprozesse, Maßnahmen der Arbeitsförderung, Ausbildung oder Arbeit zu unterstützen. Die Jugendlichen entscheiden in den verschiedenen Projekt selbstständig, woran sie Interesse haben, und finden dadurch eine Perspektive für ihre Zukunft.

Der Projektaufbau

Das Projekt BEATZ4OWL umfasst die Elemente der aufsuchenden und ergänzenden Sozialarbeit, Mikroprojekte sowie verschiedene (Intensiv-)Camps. In Anlehnung an bereits vorhandene Ansätze der Sozialarbeit macht das Projekt leicht zugängliche Angebote und etabliert Vertrauensbeziehungen zu Jugendlichen, ohne sie schon in frühen Phasen mit Anforderungen zu konfrontieren. Die Mikroprojekte dienen zur weiteren Vertrauensbildung und bieten den Jugendlichen einen Kommunikations- und Arbeitszusammenhang. Die Angebote verfolgen das Ziel, die NEETs zu aktivieren und ihre Teilhabe an gesellschaftlichen Angeboten sowie die Kompetenzentwicklung zu reaktivieren. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BAMS) fördert das Projekt BEATZ4OWL, welches an vier Standorten in Ostwestfalen-Lippe (Bielefeld, Gütersloh, Lippe und Paderborn) vertreten ist. Im April 2016 startete das Projekt und zählt mittlerweile 62 Jugendliche (Stand: 31.12.2016), die an den verschiedenen Mikroprojekten teilnehmen.

Das Projektangebot

Im Rahmen der Initiative für Beschäftigung OWL arbeiten CREOS Lernideen und Beratung, DAA OWL GmbH, gpdm und der Verein BAJ e. V. zusammen, um den Jugendlichen an möglichst vielen Orten in OWL Angebote machen zu können. Minecraft spielen, Rappen, Modellbau, Imkern, Sport treiben und Videos herstellen sind Projektinhalte, an denen die Zielgruppe teilnehmen und die sie aktiv mitbestimmen kann. Darüber hinaus gibt es noch (Intensiv-)Camps, die den Jugendlichen als Anreiz und Belohnung dienen. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, ihr Umfeld für kurze Zeit zu verlassen. Gleichzeitig entstehen intensive Begegnungsmomente zwischen den pädagogischen Mitarbeitenden und den Jugendlichen. Die Camps bieten zusätzlich die Möglichkeit zur Erarbeitung verschiedener Entwicklungsperspektiven.

Die Jugendlichen können ihr Projekt wählen

Minecraft ist für die Jugendlichen Spiel, Kommunikation und Kultur in einem. Der Minecraft-Server bietet den Jugendlichen einen sozialen Lernraum. Sie können sich im Rahmen des Spiels die verantwortungsvolle und begehrte Rolle des Moderators erarbeiten, der Verantwortung trägt und zahlreiche Aufgaben übernimmt, um einen störungsfreien Spielverlauf zu gewährleisten. Ziel ist es, den Jugendlichen einen Handlungszusammenhang zu bieten, der ihre technischen Kompetenzen deutlich werden lässt. Gelegenheit zum realen Kennenlernen bieten Teamsitzungen und die Bereitstellung öffentlich zugänglicher Computerräume sowie gemeinsame Aktionen wie beispielsweise der Besuch der Gamescom.

Im Rap-Projekt arbeiten die Jugendlichen mit dem Rapper DBLuDee an ihren eigenen Themen, aus denen komplexe Stücke entstehen. Ziel hierbei ist es, den Jugendlichen in ihrem gewohnten Lebensumfeld zu begegnen und sie mit ihren Interessen und Kompetenzen erfolgreich werden zu lassen. Sozialarbeiter sprechen Jugendliche in verschiedenen Stadtteilen an und unterstützen sie bei der Teilnahme. Am Anfang stehen kleine Workshops, am Ende ein Musikvideo oder sogar eine öffentliche Aufführung. Die Jugendlichen entwickeln eigene Songs und Beats, erlernen Grundlagen der Tontechnik, produzieren CDs und Musikvideos. Dabei erfahren sie, wie wichtig Schlüsselkompetenzen wie Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit für den Erfolg der gemeinsamen Arbeit sind. Sie engagieren sich und entdecken, wie sie durch ihre Arbeit etwas für sich und andere erreichen können.  Die Sport- und Erlebnisprojekte dienen dazu, den Jugendlichen Kontinuität und Struktur im Alltag zu bieten, ihnen Fertigkeiten und Fähigkeiten zu vermitteln und ihre Sozialkompetenzen zu stärken. Die Jugendlichen sollen dabei Erfahrungen machen, die sich positiv auf ihre Entscheidungen und zukünftige Entwicklung auswirken. Dazu gehört sowohl ein Sportprogramm mit Fußball spielen, Fitness oder Selbstverteidigung als auch die Förderung zur Ausbildungsreife durch den Bau eines gaspatronengetriebenen Modellautos mit abschließendem Wettbewerb. Beim Imkern lernen die NEETs durch das Ernten des Honigs und die Vermarktung der Produkte Alltagsgestaltung.

Das Videoprojekt „sag es mir“ gibt den Jugendlichen die Gelegenheit, in einer Gruppe oder allein ein Video zu produzieren und die sozialen Medien zur Veröffentlichung zu nutzen. In den Videos können sie ihre Haltungen und Ideen zum Ausdruck bringen. Sie übernehmen die verschiedensten Aufgaben im Produktionsprozess und erwerben dabei Fähigkeiten und Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen.

Erste Ergebnisse

Durch die attraktiven Mikroprojekte gelingt es, Jugendliche für das Projekt zu interessieren. Neben der Kooperation mit Jobcentern und Jugendhilfe wird die Zielgruppe der NEETs insbesondere über Empfehlungen von Jugendlichen aus der peer-group sowie von Eltern und Lehrkräften bzw. Schulsozialarbeit erreicht. Durch die hohen Freiheitsgrade in der Zielführung des Projekts gelingt es, Augenhöhe mit den Jugendlichen zu erreichen. Die gemeinsame Arbeit an Inhalten der Jugendkultur im Rahmen der Mikroprojekte etabliert Vertrauen, und der Prozess zur (Wieder-)Aufnahme von Bildungs- oder Beratungsprozessen im Bereich des SGBII bzw. SGBIII kann bearbeitet werden.

Für die Arbeit mit den Jugendlichen lassen sich drei Schwerpunkte für Handlungsbedarfe ableiten. So sind familiäre Konflikte, Sucht und Delinquenz sowie mangelnde Grundkompetenzen die in der Teilnehmendendokumentation am häufigsten genannten Bedarfe. Betrachtet man die Art der erbrachten Leistungen der pädagogischen Mitarbeitenden, so finden neben einer allgemeinen sozialpädagogischen Begleitung oftmals Orientierungsleistungen statt. Hierbei gilt es in der Regel, im ersten Schritt die konkreten Herausforderungen der Jugendlichen zu bearbeiten, um daran anschließend in Richtung Ausbildung und Arbeit zu orientieren. So ist beispielsweise zunächst die Wohnsituation oder die Situation in der Familie zu klären, bevor an einen perspektivischen Entwicklungsschritt gedacht werden kann.

Bereits 12 Jugendliche konnten rückgeführt werden und haben die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter wiederaufgenommen oder eine Arbeitsstelle angetreten. Weitere Jugendliche besuchen nun wieder die Schule oder eine vorbereitende Maßnahme zur dualen Ausbildung.

 

Weitere Informationen: www.beatz4owl.de und http://ifb-owl.de/unsere-arbeit/uebergaenge-gestalten/beatz4owl/

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Mehr Informationen:

Initiative für Beschäftigung OWL e. V.

Volker Wilde, Geschäftsführer

eMail: volker.wilde@ifb-owl.de

 

 

 

 

 

 

 

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