„alpha OWL“: Arbeit für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge

Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Flüchtlinge rücken zunehmend in den Fokus der Arbeitsmarktpolitik. Ende vergangenen Jahres lockerte die Bundesregierung die Regelungen zur Wartezeit und Vorrangprüfung von Asylsuchenden und geduldeten Flüchtlingen und erleichterte den Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge mit humanitärem Aufenthalt. Das erweitert die Zugangsmöglichkeiten für diesen Personenkreis zum Arbeitsmarkt und stellt damit die Weichen für eine bedarfszentrierte Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Das Netzwerkprojekt „alpha OWL“

Allein in Bielefeld leben ca. 100.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Die Erfahrungen zeigen deutlich, dass innerhalb dieses Personenkreises insbesondere Menschen mit Flüchtlingshintergrund eine besonders ausgeprägte Arbeitsmarktferne aufgrund mangelnder Sprachkompetenz, fehlender beruflicher Qualifikationen und Erfahrungen in Deutschland sowie integrationshemmender aufenthaltsrechtlicher Einschränkungen aufweisen.

Das Netzwerkprojekt „alpha OWL“ bietet daher schon seit 2008 in Bielefeld und seit 2010 darüber hinaus auch in den Regionen Gütersloh und Lippe eine umfangreiche und erfolgreiche Unterstützung zur Eingliederung von Bleibeberechtigten und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Das Angebot richtet sich vorrangig an Flüchtlinge, die als Bleibeberechtigte in Deutschland leben, an Asylbewerberinnen und Asylbewerber, an Menschen mit einer Duldung und solche mit einer Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen.

Aufteilung der Themenschwerpunkte unter den Projektpartnern

Die REGE mbH, als Tochtergesellschaft der Stadt Bielefeld, koordiniert das Projekt seit 2010 in den Regionen Bielefeld, Lippe und Gütersloh. Die Kooperationspartner DRK KV Bielefeld e.V., DiakonieVerband Brackwede, Netzwerk Lippe gGmbH und der Flüchtlingsrat NRW e.V. arbeiten aktuell in diesem Verbund mit den Themenschwerpunkten Beratung, Bewerbungscoaching, berufsvorbereitende Qualifizierungsmaßnahmen und Vermittlung. In Gütersloh und Detmold ist zudem die Netzwerkarbeit mit zielgruppenorientierten Akteuren vor Ort und anderen Multiplikatoren bedeutsam.

Als Regieträger für die ESF-BAMF-Sprachkurse in Bielefeld und im Kreis Gütersloh übernimmt die REGE mbH als projektübergreifende Schnittstelle auch die Zuweisung und Begleitung der Teilnehmenden aus dem Bleiberechtsprogramm ins ESF-BAMF-Programm zur berufsbezogenen Sprachförderung. Dies ermöglicht neben einer effektiven Überleitung von einem Projekt ins andere eine kompetente Beratungs- und Förderleistung „aus einer Hand.“

Berufsbezogene Sprachförderung besonders wichtig

Die Heranführung des genannten Personenkreises an den Arbeitsmarkt, der Abbau von Vermittlungshemmnissen sowie die Aktivierung, Orientierung und gesellschaftliche Integration stehen im Fokus des Projektes. Die Zielgruppen im Projekt stammen vorrangig aus den Herkunftsländern Irak, Nordafrika, Kosovo, Afghanistan, Syrien, Türkei und Serbien. Knapp 60 Prozent der aus dem Irak und Syrien stammenden Teilnehmenden sind nach eigenen Angaben jezidischen Glaubens.

Parallel zu den Beratungs- und Unterstützungsleistungen werden durch Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit Politik, Verwaltung und Unternehmen sowie Arbeitsmarktakteure nachhaltig im Hinblick auf die Zielgruppe sensibilisiert, wodurch allgemein die Chancen der Zielgruppe auf dem Arbeitsmarkt erhöht und bestehende Beschäftigungsverhältnisse gesichert werden sollen.

Im Zeitraum Dezember 2010 bis Dezember 2014 konnten insgesamt 930 Flüchtlinge durch die Projektangebote von „alpha OWL“ erreicht werden. Davon wurden 129 Flüchtlinge in sozialversicherungspflichtige Arbeit und Ausbildung vermittelt, was einer Vermittlungsquote von 13,8 Prozent entspricht. 676 Teilnehmende konnten in berufsvorbereitende und -begleitende Qualifizierungen übergeleitet werden

Einen großen Anteil nehmen dabei die berufsbezogenen sprachfördernden Angebote ein, da viele Flüchtlinge bedingt durch einen nicht gesicherten Aufenthaltsstatus und einer daraus resultierenden mangelnden sprachfördernden Erstbeschulung in Deutschland keine für eine rasche Arbeitsaufnahme adäquate Sprachkompetenz aufweisen.

OWL-weite Projektausdehnung in Planung

Zur nachhaltigen Ergebnissicherung der Projektziele fanden zudem insgesamt 30 Multiplikatorenschulungen statt, weitere sind in Planung. Schwerpunktmäßig sind hier insbesondere Schulungsangebote zu ausländerund aufenthaltsrechtlichen Themen durchgeführt worden.

Gerade die oftmals schwierigen Voraussetzungen, die sich aus den verschiedenen Aufenthaltsstatus der Teilnehmenden ergeben und neben der beruflichen Qualifikation des Teilnehmenden maßgeblich für seinen individuellen rechtlichen Zugang zum Arbeitsmarkt sind, bedürfen immer wieder einer genauen Betrachtung durch die Beraterinnen und Berater der Zielgruppe.

Das Projekt „alpha OWL“ läuft aktuell noch in der Verlängerungsphase bis 30. Juni 2015, ab dem Sommer 2015 soll es im Rahmen der neuen ESF-Förderphase mit einer größeren OWL-weiten Ausdehnung in der operativen Arbeit − dann auch in den Regionen Detmold, Herford, Minden-Lübbecke und Paderborn − für vier Jahre fortgesetzt werden, ein entsprechender Projektantrag beim BMAS ist gestellt.

 

Dieser Artikel wurde erstmalig in der Forum OWL Ausgabe 23, im Juni 2015 veröffentlicht.  Autor ist Herr Ingo Doerk, Bereichsleiter der Kommunalen Arbeitsförderung, der Rege mbH.

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