150-jähriges Bethel-Jubiläum: „Jeder Mensch kann etwas!“

Bielefeld-Bethel. „Menschen sind dann am glücklichsten, wenn sie ihre Fähigkeiten entfalten können!“ Diese Erkenntnis von Aristoteles habe nicht an Aktualität verloren – ganz im Gegenteil, fanden die rund 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung „zusammen.arbeiten.gestalten – Zukunft der Arbeit für Menschen mit Behinderung“, die jetzt im Assapheum in Bielefeld-Bethel anlässlich des 150-jährigen Bethel-Jubiläums stattfand.

Die Betheler Erklärung

Zukunft der Arbeit 01

Ihre Forderungen in der „Betheler Erklärung“ stellten (v. l.) Karin Scharninghaus, Lisa Spieß, Laureen Gäde, Alexander Brunn, Jürgen Czika und Sarah Baum vor.

„Es ist sehr wichtig, dass jeder dort arbeiten kann, wo er möchte. Das zu realisieren, muss das Ziel sein“, betonte die Vorsitzende des Gesamtwerkstattrates von Bethel proWerk, Laureen Gäde, bei der Tagung. Bethel proWerk hatte die Tagung gemeinsam mit der Andreas-Mohn-Stiftung, der Initiative für Beschäftigung Ostwestfalen-Lippe und dem Betheler Fachausschuss Arbeit veranstaltet. Viele Menschen mit Behinderungen würden auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten wollen. Aber es gebe auch viele, die sich in ihrer Werkstatt für behinderte Menschen am wohlsten fühlen – und das sei auch in Ordnung, so Laureen Gäde.

Die Werkstatträte stellten ihre 2016 erarbeitete „Betheler Erklärung“ vor. In dieser haben sie Forderungen für die Zukunft der Arbeit von Menschen mit Behinderungen formuliert. So verlangen sie unter anderem mehr Anerkennung für ihre Leistungen und Produkte, eine bessere Entlohnung und mehr Arbeitsplätze, die den Fähigkeiten der einzelnen Menschen entsprechen. Der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bielefeld, Thomas Richter, ist überzeugt, dass das umsetzbar ist: „Man kann für alle den passenden Arbeitsplatz gestalten, denn jeder Mensch kann etwas!“

Noch viel zu tun bei der Inklusion im Bereich Arbeit

Eine verstärkte Zuwendung der Werkstätten-Träger zu modernen Formen der Arbeit forderte der Vorstandsvorsitzende der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Pastor Ulrich Pohl. Anstrengungen zum Ausbau von Integrationsunternehmen und ausgelagerten Arbeitsplätzen auf dem ersten Arbeitsmarkt etwa müssten verstärkt werden. Bei der Umsetzung von Inklusion im Bereich Arbeit gebe es noch viel zu tun. Eine kleine Erfolgsgeschichte sei, dass mittlerweile etwa zehn Prozent der Menschen mit Behinderungen aus dem Werkstattbereich von proWerk auf integrierten Arbeitsplätzen im ersten Arbeitsmarkt tätig seien.

Der Geschäftsleiter der Initiative für Beschäftigung OWL e.V., Volker Wilde, ist zudem optimistisch, dass die Chancen behinderter Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt durch den demografischen Wandel steigen. Er führe nicht nur zu einem enormen Verlust an Fachkräften, sondern auch an Hilfskräften. „Menschen mit Beeinträchtigungen können diese Lücke schließen“, so Volker Wilde.

proWerk-Geschäftsführer Martin Henke will nicht auf die Wirtschaft warten, um mehr Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verwirklichen. Bethel und andere Träger müssten noch mehr „Gummi geben“, verstärkt auf Unternehmen zugehen und die Öffentlichkeit über die hohe Qualität der geleisteten Arbeit in den Werkstätten informieren.

Zukunft der Arbeit 02

Mehr Wertschätzung für die Arbeit von Menschen mit Behinderungen wünschen sich (v. l.) Bethel-Vorstand Dr. Rainer Norden, proWerk-Geschäftsführer Martin Henke, Corinna Bergmann, Vorstandsmitglied der Andreas-Mohn-Stiftung, Bielefelds Bürgermeister Andreas Rüther sowie Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl.

Mitarbeitende mit Behinderungen, Fachmitarbeitende sozialer Dienstleistungen und Vertreter regionaler Unternehmen waren eingeladen, sich bei der Tagung über das Thema auszutauschen – zur Enttäuschung der Veranstalter und Teilnehmenden war allerdings die Wirtschaft kaum vertreten. Darum will Thomas Richter eine Folgeveranstaltung mit mindestens 20 Prozent Arbeitgebern realisieren.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Alexander Haupt sowie der Fernsehjournalistin Brigitte Büscher (u.a. Zuschaueranwältin in der Sendung „Hart aber fair“).

 

Weitere Informationen:

Jens U. Garlichs
Zentrale Öffentlichkeitsarbeit Dankort
eMail: presse@bethel.de

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